Am Ende des neunzehnten Jahrhunderts, in der Zeit, die wir heute Belle Époque nennen, strömten die Badegäste nach Zandvoort. Reiche aus dem In- und Ausland kamen mit dem Zug ans Meer, auf der Suche nach frischer Luft, salzigen Wellen und vor allem: Gesundheit. Der Badeort war die Kulisse für flanierende Damen mit Sonnenschirmen, Herren in Strohhüten und Ärzte, die neue Ideen über Körper und Bewegung verkündeten.
Einer von ihnen war der ursprünglich aus Deutschland stammende Arzt und Masseur Johann Georg Mezger (1838–1909). Sein internationaler Ruf verbreitete sich in den Salons von Amsterdam, Paris und Berlin. In Amsterdam praktizierte er im Amstel Hotel. Mezger glaubte nicht nur an Pillen und Ruhe, sondern vor allem an kräftige Berührung: Massage, Repositionen, Bewegung und Seebäder als Therapie. Für müde Industrielle, Aristokraten mit Gelenkbeschwerden und Nervenleidende aus der Großstadt war das revolutionär – und attraktiv. Wer es sich leisten konnte, ließ sich an die Küste überweisen, wo Kur, Komfort und Status zusammenkamen. Zu den Berühmtheiten, die sich von Mezger behandeln ließen, gehörten die österreichische Kaiserin Elisabeth („Sissi“), Papst Leo XIII., Prinz Gustav von Schweden, die russische Zarin und zahlreiche andere Hochgestellte. In den Niederlanden behandelte er auch den einfachen Mann und führte Praxen in Domburg, Den Haag und Zandvoort.
In Zandvoort bezogen die Badegäste Pensionen und Hotels, spazierten am Flutsaum entlang und unterzogen sich Behandlungen, die damals modern und fortschrittlich waren. Einige flüsterten über Quacksalberei, andere schworen auf das Ergebnis. Tatsache ist, dass Mezger mit seinem Ansatz die Basis für das legte, was wir heute Manualtherapie bzw. Physiotherapie nennen.
Dass sein Name heute noch in Zandvoort fortlebt, ist also kein Zufall. Die Mezgerstraat erinnert an eine Zeit, in der Gesundheit, Wohlstand und Erneuerung Hand in Hand gingen. An einen Arzt, der Badeorte als heilende Landschaften bekannt machte – und an eine Belle Époque, in der man glaubte, dass Meer, Körper und Wissenschaft gemeinsam eine bessere Zukunft formen könnten. Mezger starb 1909 in Paris, seine sterblichen Überreste wurden nach Oostkapelle überführt und dort beigesetzt. Im Zentrum von Domburg wird Mezgers Andenken mit einer Bronzebüste geehrt.