Thérèse Schwartze (1851–1918) war eine der erfolgreichsten und einflussreichsten niederländischen Porträtmalerinnen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. In einer Zeit, in der die Kunstwelt hauptsächlich von Männern dominiert wurde, gelang es ihr, einen internationalen Ruf als die Porträtistin der niederländischen und europäischen Elite aufzubauen. Ihr Werk zeichnet sich durch eine seltene Kombination aus technischer Virtuosität, kaufmännischem Geschick und einem glamourösen Stil aus. Das Zandvoorts Museum besitzt das Gemälde „Zandvoortse vrouw“ (1884) in seiner Sammlung.
Schwartze wurde in Amsterdam als Tochter des Malers Johan Georg Schwartze geboren. Ihr Vater erkannte schon früh ihr außergewöhnliches Talent und ermöglichte ihr eine strenge, professionelle Ausbildung. Er bereitete sie auf eine Karriere vor, in der sie ihren Lebensunterhalt selbstständig bestreiten konnte. Nach dem Tod ihres Vaters setzte sie ihre Studien in München und Paris fort. Besonders die Zeit in Paris war entscheidend; hier lernte sie die Werke großer Meister kennen und entwickelte einen lockeren, fast impressionistischen Pinselstrich, der sie später berühmt machen sollte.
Ihr Kundenkreis war beeindruckend. Schwartze wurde zur Lieblingsmalerin der niederländischen Königsfamilie; sie porträtierte unter anderem Königin Emma und die junge Königin Wilhelmina. Zudem fanden das wohlhabende Bürgertum und der internationale Adel den Weg in ihr Atelier an der Amsterdamer Prinsengracht. Sie glänzte nicht nur in Öl, sondern war auch eine Meisterin im Umgang mit Pastellkreide. Ihre Pastellporträts waren revolutionär aufgrund ihrer Frische, Farbwahl und der Geschwindigkeit, mit der sie das Wesen der porträtierten Person einzufangen vermochte.
Was Schwartze von vielen Zeitgenossen unterschied, war ihr geschäftlicher Instinkt. Sie war eine der bestbezahlten Künstlerinnen ihrer Zeit und wurde oft als „Society-Malerin“ bezeichnet. Obwohl Kritiker ihr Werk manchmal als zu kommerziell oder „un-niederländisch“ modisch abstempelten, war ihr Erfolg unbestritten. Sie war die erste Frau, die von der prestigeträchtigen Uffizien-Galerie in Florenz gebeten wurde, ein Selbstporträt für deren berühmte Sammlung von Künstlerporträts zu stiften.
Im Jahr 1906 heiratete sie den Journalisten Anton van Duyl. Nach ihrem Tod im Jahr 1918 hinterließ sie nicht nur ein umfangreiches Œuvre, sondern auch einen bleibenden Einfluss auf die Stellung weiblicher Künstler in den Niederlanden. Zu ihrem Gedenken wurde die Thérèse van Duyl-Schwartze Stiftung gegründet, die bis heute die Porträtkunst fördert. Thérèse Schwartze bleibt eine Ikone der niederländischen Kunstgeschichte: eine Frau, die mit ihrem Pinsel die Grenzen ihrer Zeit verschob und die Welt der „Beau Monde“ mit einer beispiellosen Eleganz festhielt.
Um 1900 machten sich die Amsterdamse Joffers als eine eng verbundene Gruppe weiblicher Künstlerinnen in der Hauptstadt einen Namen. Lizzy Ansingh, Coba Ritsema und Marie van Regteren Altena gehörten zu einer Generation, der es – genau wie ihrer Lehrmeisterin Thérèse Schwartze – gelang, sich einen festen Platz in der Kunstwelt zu erobern. Lizzy Ansingh gilt als die Anführerin der Amsterdamse Joffers, was wahrscheinlich darauf zurückzuführen ist, dass sie die Nichte von Thérèse Schwartze war, die zu jener Zeit große Bekanntheit genoss. Lizzy lernte das Malen von ihrer Tante, bei der sie ab ihrem sechsten Lebensjahr an der Prinsengracht wohnte, und besuchte anschließend von 1894 bis 1897 die Akademie. Sie spezialisierte sich auf das Malen von Puppen.